Dienstag, 10. Dezember 2024

Es war fünf vor Zwölf: Weihnachtsgeschichte....... ANNO 1946 zu 1947 in Hamburg-Harburg.. Hamburger Kuddel... KHaHH


Weihnachten: Stubben-Weihnachten,
die Mutter und ihr kleiner Bub.
Weihnachten 1946 zu 1947 in Hamburg.
-.-
Die Mutter und ihr kleiner Bub, sie waren nun ausgebombt,
verloren gar in einer Nacht, gar Haus und Hof, verloren viele
 Freunde und auch Verwandte, von nun an gar lebten sie im
Miet-Zimmer, einer sehr alten und liebenswerten Fischerfamilie.
Dieses Zimmer war ehemals eine große Wohnstube, die jetzt gar
alle Funktionen vom Kochen über Baden, Schlafen und auch das
übliche Wohnen übernehmen musste. Dazu war es äußerst kalt,
 in diesem Raum, im Winter 1946/1947, da in den zwei vorhandenen
Fenster, die vom Krieg zerstörten Glasscheiben, nur mit milchigen,
hauchdünnen, undurchsichtigen, zweilagigen Gummi ersetzt wurden.
 Diese Gummibespannung schützte zwar vor Wind, aber nicht vor
 der eisigen und so grimmigen Kälte von minus 20°. Da, wo sonst
ein herrlicher Stubenofen stand, hatte die Zimmervermieterin einen
alten Küchen-Kohleherd hingesetzt, worauf die liebe Mutter versuchte,
 wenn sie dann auch Lebensmittel und Brennbares hatte, etwas zu kochen.
 Kohlen standen den beiden Armen leider nicht zu Verfügung, somit musste
 die brave Mutter mit Stubben, also ausgegrabene Baumwurzeln heizen;
 die ihr die die Nachbarsfamilie hin und wieder mal gar so zusteckte.
Das hatte dann wiederum zur Folge, das zwar das Süppchen irgendwann
warm war, aber die gesamte Stube vom Rauch der so schwer brennbaren
und auch durchnässten Baumwurzeln verqualmt war und die Fenster,
 trotz klirrender Frost, weit aufgerissen werden mussten, um wieder
einigermaßen atmen zu können. Genauso ein Tag war auch wieder der
"Heilige Abend 1946 zu 1947"!
Es war so bitterkalt draußen, wie auch in dieser so frostigen Stube,
sodass sich eine feste und glitzernde dicke Eisschicht auf der fast gesamten,
 inneren, putzlosen, ziegelroten, frostigen Fensterinnenwand gebildet hatte.
 Darauf beschloss die besorgte, fürsorgliche, gute Mutter, das letzte Geld
auszugeben und mit ihrem kleinen Bub, ins nahe gelegene Gasthaus zu gehen.
Einzig allein, dort wurde geheizt und die Zwei konnten endlich einmal auf einer
warmen Sitzbank Platznehmen und hinausschauen, durch ein eisfreies Fenster
und sich ein Heißgetränk bestellen, welches aus viel, viel heißem Wasser und
künstlichen Aroma-Extrakten bestand, um dann ein kleinwenig nun, den
Weihnachtsgedanken so nachzugehen. Nach etwa zwei kleinen Stunden des
Aufwärmens, in dem geheizten Gasthaus, gingen die Beiden, doch
eigentlich sehr zufrieden, durch den so tiefenhohen Schnee stapfend, dann nach Hause.
Zwar ins so unendlich kalte Miet-Zimmer, ohne einen grünen Weihnachtsbaum,
ohne Kerzen und ohne Kuchen, Gebäck und Geschenke. Vielleicht ein wenig Brot
essend, mit selbst hergestelltem Schmalzaufstrich (Öl und Grieß mit Zwiebel in
der Pfanne erhitzend und erkalten lassen). Beleuchtet wurde die ganze, eigentlich so unendlich
traurige und so ungewöhnliche, eiskalte sibirische Szenerie, nur mit einer nackten, am Kabel hängenden,
diffusen Glühbirne, die von der Mitte der Stubendecke traurig herab hing und
auf einem wackligen und tristen Korbtisch schien,  aber mit dem Gedanken,
im Prinzip doch noch viel Glück gehabt, Wärme und etwas Heißes zu trinken
bekommen zu haben. Eigentlich doch ein kleines Wunder in dieser Zeit,
kurz nach der großen Zerstörung in unserem Lande. Glücklich mit diesen
 Gedanken, legten sie sich sehr, sehr zeitig, die Mutter und ihr kleiner Bub,
an diesem Heiligen Abend, wenig später, aber doch eigentlich gar zufrieden,
 in das relativ so wärmende Bett,
am Heiligen Abend 1946 zu 1947.

 
---…..---

Hamburger Kuddel.

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https://kuddel-hamburg.blogspot.com/


(..... ehemalige Schrebergarten von meiner Großmutter, Muttern und ich; da war die Welt noch in Ordnung.)

Hoch oben auf einem Kartoffelwagen…. aus Kriegszeiten.
 
hockten Mutter und Bub. Hamburg: ANNO 1943 bis 1950.
 
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Es war ein herrlich warmer Sommer und er lief lachend
und so unbekümmert, der kleine blonde Bub, über den teilweise
mit Gras an Seiten und Zaun bewachsenen Hof seiner lieben
Großmutter. Zwischen den kleinen Zehen quoll so manches Mal
die Hinterlassenschaft der manchmal frei gar herumlaufenden
Hühner von seiner Großmutter, die gackernd im großen Hofe
des so stadtnahen Gründerhauses es sich gut gehen ließen.
Es war eine bis dahin sehr behütetet und äußerst glückliche Zeit,
 eine Zeit die so beglückend war, das man sie wohl heute als
traumschöne Kindheit bezeichnen würde. Das Gründerhaus war
nah am Stadtzentrum, aber auch unweit vom Harburger Schulgarten,
 sodass die Natur direkt vor der Haustür war. Es war idyllisch vom
Hofe aus, hinüber zu den grünen und mit Wildkräuter bewachsenen
Hängen in Richtung der Hochstraße zu schauen, am Hang von Ecke
der Bremer Straße, hin zum Marmstorferweg. So manches Mal versuchte
der kleine, blonde Bub dort auf diesen begrünten Hängen, Grashüpfer zu fangen,
oder jagte Schmetterlingen hinterher, was ihm aber meist wohl kaum gelang.
Auch pflügte er mal die Blüten der Schafgabe, Johanneskraut oder Löwenzahn,
oder auch mal staunend, als kleiner Bub, zur Hochbrücke hinüberkuckend.
Es waren wunderschöne Jahre, es waren Jahre der strahlenden Kindheitssonne.
Und im Winter dann, wenn die Schneeflocken sanft aus den Wolken zur Erde
niederschwebten, der kleine Bub so am Küchenfenster saß und nach draußen schaute,
wie die Mutter für ihn auf dem Hof ein großen Schneemann baute. Hier in der Küche
 war es mollig warm, der Küchenherd strahlte eine so herrliche, wunderbare umarmende
Wärme aus, das sich der kleine Bub nicht nach draußen in die knackige Kälte gar traute.
Doch irgendwann kamen die ersten Unruhen und es wurde von Mal zu Mal heftiger,
aus war es für den blonden kleine Bub mit der gar so schönen Kindheit, von jetzt an,
ab sofort. Von der Regierung kamen zudem Anweisungen, wie man sich Fliegeralarm
 zu verhalten hatte und ebenfalls auch total zu  erfüllen sind, wenn man gar so,
wie die Großmutter vom Bub, Eigentümer bzw. ein Etagenhaus aus der Gründerzeit besaß.
So ergab es sich, dass die Sirenen immer öfters und auch überraschend aufheulten, auch
in manch tiefe Nacht. So kam es dann auch, dass die Mutter den Bub Abends halb angezogen          ins Bett legte, damit sie mit ihm bei Großalarm über die Keller-Wendeltreppe so rasch
wie möglich, in den hauseigenen Keller rennen konnte. An einer Hand den ängstlichen und aufgeschreckten, noch halb gar schlafenden Bub, in der anderen eine abgegriffene Handtasche
mit den wichtigsten Unterlagen, beides fest umklammernd und so hinunterlief zum Keller.
 -.-
 Nun tat sich an, das eine silberne Hochzeit im Hause anstand und es waren dazu Gäste geladen, von nah und fern. Aufregung im ganzen Hause, auch die Mutter und der Bub, sie waren schon so gespannt, wer nun da alles kommen würde. Durch die immer mehr aufflammenden Unruhen,
hatte man sich doch nur noch sehr selten sehen können. Nun wollten sie, die Familienangehörigen doch diese Festlichkeiten beiwohnen, um die silbernen Hochzeiter gar zu ehren, denn der Mann  hatte extra dafür Fronturlaub bekommen. Es war ein so herrlicher Tag, die Sonne strahlte, es war ein weiß-blauer Himmel, weiße Wölkchen schwebten am Horizont, also Kaiserwetter, das Fest konnte also beginnen, eigentlich konnte es nur noch gut werden. Das Festessen stand auf dem Herd, es duftete schon ganz köstlich im ganzen, so friedfertigen und geliebten Gründerhaus, das in Erwartung der vielen Gäste und der duftenden Speisen, dem blonden Bub die Augen besonders hell erleuchten ließen.
-.-
Doch von einem zum anderen Moment änderte sich diese so friedfertige und erwartungsvolle Situation gravierend, extrem und so ungeheuer brutal,
schreiend und in den in den Ohren schmerzend, heulten überlaut, kurz hintereinander, so um fünf vor Zwölf,  die Sirenen am schräg, überliegenden Hause auf und kündigten letztendlich dann Großalarm für an.
 Aus den blauen Augen vom so quirligen Bub, wich das Leuchten augenblicklich und die besorgte Mutter ergriff überhastig, mit eisernem Griff den dünnen Arm des entsetzten Kindes und
rannte gehetzt mit ihm die so steile Wendeltreppe zum verhältnismäßig dunklen Keller hinunter.
Es fanden sich immer mehr Bewohner, im quadratischen mit einer nackten diffusen Glühbirne, ausgestatteten Vorkellerdiele ein, die mit starken Decken-Stützbalken abgesichert war, um wohl extra Sicherheit so bieten zu können.
Sie alle setzten sich mehr oder weniger mit ängstlich-entsetzten Gesichter, in ihren Händen Taschen verkrampft haltend, so dass die Handknochen weiß hervor traten, an der Wand entlang und starrten sich ängstlich an. Die auf schon früher mitgebrachten Stühlen und Bänken und hofften, dass es wieder einmal, wie schon so oft zuvor, doch glimpflich davonkommen würden.
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Es dauerte gar nicht so lange, dann konnte man das heftige Röhren und Brummen der mit vielen, schweren Bomben beladenen Angriffsflugzeuge bis im spärlich beleuchteten Keller hinein hören und auch wenig später darauf die ersten in der Nähe starken Einschläge, die den gesamten Keller erbeben ließen. Natürlich stöhnten und schrien die im Keller Sitzenden geschockt auf, denn Staub und Mörtel rieselten von der Kellerdecke auf sie herab. Das diffuse Licht, das von der einzigen Glühbirne im Vorkeller erhellte, fing an zu flackern und wurde dunkler und dunkler, bis sie ganz allmählich so verlöschte, irgend rief laut und durchdringend, fast befehlend, wie auch flehend: „ Alle in den einzelnen Kellergängen lang hinlegen, los, macht schon!“.
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Es war nicht zu früh herausgeschrien, denn kaum lagen die meisten der Hausbewohner in den einzelnen Kellergängen auf den nackten Fußböden, um sich so einigermaßen zu schützen,
trafen zwei Luftminen das schöne Gründerhaus und es war dem Erdboden gleich gemacht. 
Da die Kellerräume, sowie Kellerfenster zum größten Glück unter Straßenniveau lagen,
blieben die Kellerräume teilweise somit erhalten, trotz alledem war wohl der enorme Luftdruck der Luftminen so gewaltig und Schuld daran, dass einige im Keller Schutzsuchenden, es nicht überlebt haben, es wurden wohl die inneren Organe, wie die Lunge vom Druck einfach zerrissen.
Darunter war auch das silberne Hochzeitspaar, wobei die Braut gleich umgekommen war und der Ehemann zum Krüppel wurde, weil ihm die Stützbalken zur Stabilisierung der Kellerdecke durchbrachen und somit die Beine zerquetschten; da er wohl, nicht wie die anderen, somit im Vorkeller verblieben war.
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Die Mutter mit ihrem Bub und auch die anderen Verschütteten fand etwas später dann ein Loch in der Kellerdecke, durch das ein Sonnenstrahl hinein schien und somit hangelte und krabbelte sie mit ihrem Bub über einen herunter gestürzten Steinhaufen hinaus, dem Sonnenschein entgegen. Hinaus auf den von über und über mit Trümmersteinen und Balken übersäten Hof, vom eingestürzten Haus, wo zu der Zeit noch die Straßenfront vom Haus stand.. Der Bub torkelte und stolperte auf diesen vor ihm liegenden, teilweise so spitzsteinigen Trümmerberg, aber die Mutter hatte das Ärmchen von ihrem Kind so fest und eisern gar umschlossen und zog es so in Richtung Tiefbunker, der nur unweit am Haus lag.
Zum Aufrichten war absolut keine Zeit mehr, auch wenn die Knie vom Bub dabei gar kaputt gingen. Es war lebensgefährlich, es kamen schon wieder Bomber im Tiefflug, aus Richtung Hochbrücke von der Hohen Straße, wie aus den Nichts auf dem nun, einst so geliebten und nun zerstörten, geliebten Gründerhaus zugeflogen.
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Im Tiefbunker endlich angekommen, warteten die Beiden, sitzend auf einen der mit Mörtelkörner so verschmutzen Bänke und warteten auf die Sirenen-Entwarnung und standen somit, kurz danach dann wieder auf der Straße, die nach Marmstorf führte. Sie schauten dorthin, wo einst der Großmutters Gründerhaus und der beiden Wohnort gewesen war. Sie schauten auf einen riesigen Trümmerhaufen und auf die Frontwand mit so leeren Fensterhöhlen. Mit Mörtelstaub in Haaren, Gesicht und Bekleidung verschmutzt, die Strümpfe zerrissen, so standen die Beiden nun da, wie von allem verlassen und wussten nicht, wie es gar nun weitergehen sollte. Sie hatten nun nichts, rein gar nichts, nur ihr nacktes Leben und nur das, was sie am Leibe trugen und das war verschmutzt und auch teilweise zerrissen. So standen sie da, zitternd, traumatisiert, bis sie dann ganz plötzlich eine freundliche Frau ansprach, die den Bombenangriff von Anfang an im Bunker erlebt hatte. Sie, die Freundliche, sich letztendlich erbarmte bei diesen so furchtbar traurigen Anblick der Beiden und ihnen in ihrem Haus in Marmstorf eine Bodenkammer erst einmal, ganz auf die Schnelle, als Notunterkunft anbot.
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Nun kurz darauf kam es dann so, dass die Behörde ein Treck zur Evakuierung anordnete, da noch weit größere Bombenangriffe in Hamburg zu erwarten waren und so kam es, das die beiden nach eine Ortschaft Suderburg letztendlich bei einer Familie mit eigenem Haus einquartiert wurden. Doch waren die äußerst empfindlichen und überaus nervösen Hausbesitzer nicht gar begeistert, Bombengeschädigte aufzunehmen, die jede Art von Störungen so grundsätzlich missfielen.
Da die besorgte Mutter nicht weiter groß stören wollte, ging sie so oft wie möglich mit ihrem kleinen Bub über Feld und Wiesen, bei klirrender Kälte spazieren. Das unterschied sich nicht groß von Feiertagen und auch nicht einmal vom Weihnachtsfest. Nur das die beiden beim Christfest etwas länger im warmen, also bei den Vermieter in der großen Stube ausnahmsweise aufhalten gar durften. Danach ging es somit früh zurück in der kalten und so tristen Dachkammer und gleich darauf ins wärmende Bett, der einzige Ort, wo sie sich einiger Maßen gut fühlen konnte, in den so klirrenden und schneereichen so langen Winter damals.
 
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Doch dann, eines Tages
bekam die Mutter die Nachricht, dass ihre Schwester in Wichtenbeck bei einem netten Großbauern untergekommen war. So beschloss die gute Mutter mit ihrem Kind, in aller Herrgottsfrühe Frühe, auf einem zugigen Pferdewagen, gelenkt von einem sehr alten Milchkutscher, durch viele dunkle Tannenwälder, über holprigen Landstraßen, bis nach Wichtenbeck so zu reisen.
Dort war dann ihre Schwester untergebracht, ebenfalls als Bombengeschädigte, sodass sie sich von nun an gegenseitig etwas stützen konnten, zumal jeder auch sein einzelnes heizbares Zimmerchen hatte. Auch waren dort auf der Etagenebene schon einige andere Bombengeschädigte untergekommen. Zusätzlich kamen dann auch zusehends immer mehr Vertriebene aus dem Osten auf dem Bauernhof, es war dann eine sehr, sehr bunte und interessante Mischung. Viele der Vertriebenen wohnten ganz einfach in den Scheunen, die es reichlich gab, weil kein Platz mehr im Haupthaus des Großbauern vorhanden war. Und Essen wurde immer vor der Scheune, also draußen auf schwarzen Kanonenofen, die dort aufgestellt waren, von den Ostleuten bereitet. Etwas, was dem Bub irgendwie ganz  merkwürdig vorkam und sich das dann auch genau ankuckte. So kam es, das der Bub der Bombengeschädigten und die Kinder der Vertriebenen so langsam zusammen kamen und auch wuchsen. Sie suchten sich gemeinsam einen Spielplatz, denn die Tage für die Kinder waren sehr lang und so fanden sie auf dem riesigen Gelände des Großbauern ein vergessenen Kieshaufen, dort hinein bauten sich die Kinder kleine Straßen im Sand. Und als Ersatz für eine Spielzeug-Eisenbahn, oder auch Autos, oder Tramp, wurden von den Kleinen einfach eckige Sardinen - Fischdöschen mit Band verbunden, damit konnte man herrlich spielen und die kindliche Fantasie wurde dabei fröhlich, lachend und gar heiter richtig toll ausgelebt.
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Und eines Tages kam ganz überraschend dann die gar erlösende Nachricht und es hieß, das zur Heimfahrt so und so viel Kilometer von den Alliierten für die Bombengeschädigten
freigegeben waren und somit sich dann wieder Leute zusammen fanden, um auf der mit Kartoffel beladenen Ladefläche eines klapprigen Lastwagen Platz zu nehmen und Kilometer um Kilometer über holprige und teilweise zerstörten und staubigen und verlassenen Straßen, so wieder in der Heimatstadt zurückzukehren.
Doch wo sollten die Mutter und der Bub hin, das geliebte Gründerhaus der Großmutter war total zerstört, so waren die Beiden wohnungslos und die Schwester der Mutter konnte auch nicht helfen, da selbst auch ausgebombt. So erinnerte sich die gute Mutter gar an einer lieben Nachbarin, vis-a-vis vom Schwarzenberg in Harburg, aus ihrer eigenen früheren Kindheit und dort konnte sie nach einigen langen bitten, dann doch bleiben. In dem kleinen Häuschen bekamen sie die große Stube zur Straßenseite heraus, die die Mutter mit ihrem Bub dankend annahm. Die große Stube hatte
zwar zwei große Fenster, leider aber keine Glas-Scheiben, diese waren ersetzt durch weißem und doppelseitigen und milchigen Gummibezug. Dieser hielt zwar den zugigen Wind ab, aber nicht die grimmige und so eisige klirrende Kälte. Ein ausrangierter Küchenherd, der Eilens in der großen Stube aufgestellt wurde, der von Vermieter geschenkten halb nassen Baumwurzeln, also Baum-Stubben, beheizt wurde, aber eher vor sich hin glimmte, als das er gar mollige Wärme von sich gab.
Nun ergab es sich dann, dass eines Tages die städtische Gasversorgung endlich wieder hergestellt wurde, doch wie es das Schicksal so will. In der Nacht stand der ansteigende, so starke Wind auf dem mit Gummi bezogenen Fenstern und so drückte der dann angewachsene, orkanartige Sturm das ausströmende Gas, aus den gebrochenen Gas-Rohrleitungen im Fußweg, in die große Stube; wo die Beiden, also die Mutter und der Bub schliefen. So fand letztendlich die alten, so gutmütigen und ergrauten Nachbarn, am nächsten Morgen, die Mutter und den Bub in ihrer gänzlich gasverseuchten Stube. Nach einem sehr, sehr langen Krankenaufenthalt der Beiden, konnten sie sich unter den Lebenden schließlich und endlich wieder einreihen und der Bub kam kurz darauf zur Schule und es gab sogar schon wieder Julklapp, doch oh Graus, was holten einige der Kinder aus dem Nikolaus - Sack heraus, es war ein eingewickelter Kohlenbrikett. Nun ja, in dieser Zeit war es nun wirklich etwas sehr Gutes, es gab ja wenig bis nichts zu heizen, aber welches Kind wünscht sich nicht etwas Süßes oder ein Brummbär aus Plüsch, zu mindestens einmal im Jahr, in der heiligen Weihnachtszeit.
Wieder wenig später gab es dann erstmalig Schulspeisung, von den Alliierten wohl angeordnet,
die bestand in der Woche durch jeweils dann aus Erbsensuppe, Bohnensuppe und auch
Hirsebrei, Schokoladensuppe. Dabei war der Hirsebrei wohl eines der fürchterlichsten Speisen die es gab, zu jener Schulspeisungszeit. Die ganze Situation wurde noch dadurch unterstrichen, dass die Speisen im Keller der Schule, in einem Waschbottich aufgewärmt  und von einem großen, hageren, rot- pickelgen, etwas schmuddeligen, äußerst hageren Essen-Koch, mit einer angeschlagenen, nur teilweise noch weißen Emaille-Schöpfkelle griesgrämig – mürrisch ausgeteilt wurde.
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Nach Schulschluss zu Hause im Untermieterzimmer wieder angekommen, gab es dann oftmals nur Maisbrot mit selbst gemachten Brotaufstrich, der aus Gries, Zwiebeln und Öl gebraten in der Pfanne, hergestellt wurde. Die Not war eigentlich sehr groß in der Stadt und als die gute Mutter einmal ein Kürbis vom Nachbarn geschenkt bekommen hatte, gab es morgens, mittags und am Abend Kürbissuppe zu essen.  
Aber so war die Zeit eben und die langen Winter waren in dieser Zeit, sehr, sehr kalt, so kalt, das die Menschen in der Straßenbahn mit Militär-Wolldecken umhüllt fuhren, da es keine Heizung in der Tram gab, oder nicht funktionierten. Es war eben eine Zeit, da wurde geschlafen, gewohnt, gelebt in einem Zimmer, oder wie auch einige der Bombenopfer in feuchten, dunklen Kellerruinen, die glücklicher Weise nicht vollkommen zerstört waren, weil sie unter Straßenniveau lagen.
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Auch das Baden war nicht so ganz einfach, man holte sich Wasser aus der Küche der Wohnungsbesitzerin, erwärmte es ein wenig, wenn man genügend Heizmittel zu Verfügung gerade hatte und stellte sich in der Waschschale hinein. So auch der Bub und nahm dann ein Waschlappen und rubbelte sich damit von oben bis unten ab.
Spielsachen für den Bub gab es nicht, da hieß es immer, geh nach draußen spielen.
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So kam es, das dieser Bub mit der Natur im schönen Harburger Großpark Schwarzenberg, sehr frühzeitig in Kontakt kam und auch lieben lernte, rein gar nichts eigentlich somit vermisste, trotz dieser eigentlich so misslichen Verhältnisse. Erst im Jahre 1950 änderte sich dann das Leben von der Mutter und ihrem Bub großartig und auch positiv. Der Vater war vor 3 Jahren aus der Gefangenschaft zurückgekehrt und sie bezogen, der Vater, die Mutter und der Bub, nach all den überstandenen kleinen und großen Strapazen in eine so herrliche und sonnendurchfluteten Neubauwohnung. Die in der Nähe des so schönen und grünen Milchgrund in Heimfeld, nahe der  traumschönen Haake; Harburgs wunderschönen und prächtigen Waldungen, wo man Natur pur genießen kann und ein riesiges Spielfeld
für uns Kinder waren und das Wichtigste, wir waren damit glücklich und zufrieden, draußen umher tollen zu können, meist bis zum Einbruch der Dämmerung.
 


(...unser so geliebtes sonnendurchflutetes Haus, von meiner Großmutter. Plattgemacht von Luftminen. )


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Hamburger Kuddel

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...... dann KUCK/Google dazu: * hamburger kuddel reime *


 

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Die Zeit sie springt mal vor, mal zurück…. Hamburger Kuddel.... KHaHH777

    Die Zeit sie springt mal vor, mal zurück…. --…-- Die Uhr springt vor, die Uhr springt zurück, doch unser Rhythmus findet so kein Glück...